Die Regierung Großbritanniens hat neue Richtlinien für den Kampf gegen weiblichen Genitalverstümmelung vorgestellt. Die Richtlinien wurden von mehreren Ministerien und Regierungsbüros, Universitäten und NGOs gemeinsam mit der Polizei entwickelt.
Das Büro für Gleichstellung der britischen Regierung hofft, durch die Richtlinien Ärzte und Krankenschwestern, Sozialarbeiter, Kindergärtner und Lehrer zu helfen, eine Gefärdung durch FGM zu erkennen und angemessen reagieren zu können.
Lynne Featherstone, Gleichstellungsbeauftragte der britischen Regierung, äußerte sich bei einer Diskussionsrunde zu dem Thema FGM wie folgt:
„Ich habe selbst gesehen, welche Folgen dieses grausame Verbrechen für Frauen und Mädchen hat. Diese Regierung ist fest entschlossen, dem ein Ende zu setzen. Die heute vorgestellten Richtlinien werden die Lokalverwaltungen und gemeinnützige Organisationen in ihren Bestrebungen unterstützen, Mädchen vor FGM zu schützen und denjenigen zu helfen, die bereits davon betroffen sind.“
Die Richtlinien raten Sozialarbeitern und andere Berufsgruppen, die mit Kindern arbeiten, in einem Verdachtsfall unbedingt die Polizei einzuschalten. Die Polizei kann ein Kind aus einer gefährlichen Situation befreien und verhindern, dass ein Mädchen in einem Verdachtsfall an einen anderen ort gebracht wird.
„Für mein Buch „Schmerzenskinder“ habe ich selbst in Großbritannien recherchiert und weiß, dass FGM bei einigen Communities von Einwanderern in England sehr weit verbreitet ist. Es ist sehr wichtig, dass Menschen, die mit Kindern arbeiten, wissen, woraus sie achten müssen, und wie sie im Falle eines Verdachts reagieren sollten“, sagt Waris Dirie, die selbst als somalische Einwanderin nach England kam.
Trotz des gesetzlichen Verbots und regelmäßiger Kampagnen ist Großbritannien in Europa mit am stärksten von FGM betroffen. Es wird geschätzt, dass bis zu 2000 Mädchen aus Großbritannien jedes Jahr allein während der Sommerferien genitalverstümmelt werden.



