Mein Jahresrückblick 2011

Zuerst einmal möchte ich mich bei allen Unterstützern der Desert Flower Foundation und meinem Team bedanken. 11.249 E-Mails haben uns 2011 erreicht, so viele wie nie zuvor. Betroffene oder von FGM bedrohte Frauen und Mädchen haben an die Desert Flower Foundation geschrieben und viele, viele Menschen, die ihre Unterstützung und Hilfe angeboten haben. Die Desert Flower Foundation hat 815 Schülerinnen und Studentinnen weltweit unterstützt, die Facharbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen oder Präsentationen zum Thema FGM gemacht haben. Diese Anfragen kamen aus aller Welt.

Von Mexico City bis Johannesburg, von London bis Bratislava, von Los Angeles bis Nairobi, von Lagos bis Berlin. Dass Schülerinnen und Studentinnen in ihren Schulen und an den Universitäten sich dieses Themas annehmen, ist für mich unglaublich wichtig. Denn erst diese junge Generation wird weibliche Genitalverstümmelung ausrotten. 460 Medien, Zeitungen, Magazine, Internetplattformen, Blogger, Radio- und TV-Stationen haben um Interviews und Informationsmaterial angesucht und alle konnten zufrieden gestellt werden.

Mit dem Filmstart von „Wüstenblume“ in Japan begann das Jahr 2011. Das größte slowakische Frauenmagazin Eva veröffentlichte ein Interview und zeigte Fotos, die ich in Bratislava aufgenommen habe. Ich finde, dass die Fotos toll geworden sind und möchte mich bei meinem slowakischen Verlag für 50.000 verkaufte Bücher und meinem slowakischen Filmverleih für über 100.000 verkaufte Kinotickets sowie bei den vielen slowakischen Fans und Unterstützerinnen bedanken.

Im Januar 2011 startete meine Kampagne „Together for African Women“, die ich mit dem deutschen Unternehmen Mey Bodywear ins Leben gerufen habe. Für diese Kampagne habe ich das erste Mal in meinem Leben für Unterwäsche gemodelt und es hat sich ausgezahlt – für die Frauen Afrikas. Der Erlös wird mit den zusätzlichen Spendeneinnahmen in Unternehmen, die Frauen fair bezahlte Arbeitsplätze bieten, in die Aus- und Weiterbildung der Frauen sowie in ein medizinisches Projekt 2012 investiert werden. Wir werden laufend auf unserer Website und auf Facebook und Twitter über die Projekte und deren Fortschritte berichten.

Dieses Projekt hat übrigens schon 2011 Arbeitsplätze in Afrika gesichert, da Mey Bodywear 6.000 Seidenschals in einem der wenigen Fair Trade zertifizierten Unternehmen in Afrika bestellt hat und sehr erfolgreich in Deutschland, Österreich und der Schweiz verkauft hat.

2012 werde ich mit meiner Desert Flower Foundation und befreundeten Designern eigene Schals, Taschen, Gürtel, Lesezeichen, T-shirts in Afrika produzieren lassen, um möglichst viele Arbeitsplätze für Frauen zu schaffen. Ab Februar 2012 werdet ihr regelmäßig über dieses Projekt informiert.

Im März startete der Film „Wüstenblume“ in den USA und erhielt großes Lob von den US-Medien. 200.000 afrikanische Mädchen sind in den USA jährlich von weiblicher Genitalverstümmelung bedroht, meldete der US-TV-Sender ABC News. Zahlreiche amerikanische Universitäten haben mich eingeladen den Film „Wüstenblume“ an den Unis zu zeigen. 2012 plane ich eine Tour um den Film an amerikanischen Universitäten zu zeigen.

Aber auch in Afrika konnten wir den Film bei zahlreichen Gelegenheiten zeigen. So startete der Film „Wüstenblume“ im März am größten Kinomarkt Afrikas, Nigeria und in Ghana. Die afrikanische Union zeigte den Film 300 Delegierten, die zur ersten AU-Konferenz gegen FGM nach Addis Abeba gereist waren. UN Women zeigte den Film an afrikanischen Universitäten und NGOs zeigten „Wüstenblume“ im Rahmen ihrer afrikanischen Betreuungsprojekte.

NGOs, Universitäten und Schulen zeigten den Film im Rahmen von Charity-Screenings zu Gunsten der Desert Flower Foundation.

In Polen diskutierte ich mit 800 engagierten Frauen beim Filmfestival  von Zielona Gora über die Arbeit der Desert Flower Foundation und den Film und beim One Young World Meeting in Zürich traf ich nicht nur alte Freunde wie Bob Geldof, Jamie Oliver und Bishop Desmond Tutu, sondern hatte auch die Möglichkeit vor den jugendlichen Delegierten meinen Standpunkt zu Frauenrechten in Afrika und dem großen Potential, das Afrika hat, bei der Podiumsdiskussion Africa Rising darzulegen.

Bei diesem Treffen lernte ich viele junge Aktivistinnen aus Ägypten, Tunesien, Lybien und dem Jemen kennen, die den arabischen Frühling durch ihr außerordentliches Engagement und ihre Kenntnisse bei Social Media wie Facebook und Twitter maßgeblich beeinflusst haben.

Wusstet ihr, dass es kein universelles Logo für Menschenrechte gibt, das Demonstranten auf ihren Plakaten, Fahnen und Bannern aufmalen hätten können? Gemeinsam mit Michael Gorbatchev, dem chinesischen Künstler Ai Wei Wei und zahlreichen anderen Menschenrechtsaktivisten unterstützte ich die Initiative des deutschen Außenministers Guido Westerwelle und reiste zur Vorstellung des Logowettbewerbs nach Berlin.

Bis September haben 15.126 Menschen ihre Entwürfe eingereicht und bei der UN-Generalversammlung in New York wurde das neue Logo präsentiert.

Ich bin sehr glücklich, dass sich immer mehr junge Afrikanerinnen gegen weibliche Genitalverstümmelung auflehnen und unterstütze mit meiner Desert Flower Foundation jede Initiative, die von betroffenen oder bedrohten Mädchen ausgeht, so auch dieses großartige Projekt aus London. Junge Immigrantinnen haben ihren eigenen Anti-FGM Film gedreht, der nun an allen Schulen Englands gezeigt wird. Ich bin stolz auf diese Mädchen. Denn ich weiß, dass viele junge Afrikanerinnen so denken und FGM in der nächsten Generation endgültig von unserem Planeten verschwinden wird.

Es gäbe noch viel zu berichten über die Aktivitäten der Desert Flower Foundation, aber ihr könnt über die Arbeit ausführlich auf der Website und auf Facebook nachlesen.

Ich danke euch vom Herzen für eure Unterstützung, wünsche euch Gesundheit, Liebe, Glück und Erfolg!

Ich freue mich auf 2012.

Der Kampf geht weiter!

LOVE

Waris Dirie