Islamistische Parlamentarierin fordert Aufhebung von Ägyptens FGM-Verbot

Die langjährige Vertreterin der ägyptischen Muslimbruderschaft Azza El Garf hält weibliche Genitalverstümmelung für eine „Verschönerungsmaßnahme“ und weist gleichzeitig auf die Betonung der Frauenrechte hin.

 

KAIRO – Es sei eine Verschönerungsmaßnahme der kosmetischen Chirurgie und allein die Entscheidung der Frau, sich diesem Verfahren zu unterziehen, sagt Azza El Garf. Mit diesen Worten bietet die prominente Vertreterin der islamistischen Freiheits- und Gerechtigkeitspartei in Ägypten reichlich Zündstoff für Diskussionen. Denn: Sie spricht dabei von weiblicher Genitalverstümmelung, einer grausamen Praktik, die in Ägypten 2008 per Gesetz verboten wurde.

 

Wie womensnews.org auf seiner Internetseite gestern berichtet hat, argumentiert die Politikerin mit engen Verbindungen zur konservativen Muslimbruderschaft, FGM mit dem Recht der Frauen auf Entscheidungsfreiheit. „Wenn die Frau es will, sollte es ihr erlaubt sein“, betont El Garf.

 

El Garf teilt einerseits die konservativen Ansichten ihrer Partei, wonach Frauen ihren Platz in der Familie hätten, sieht sich andererseits jedoch in einer Vorreiterrolle, wenn es um die Rechte der Frauen in der Politik geht. „Die Leute hier denken, dass du als Frau Ärztin, Lehrerin und Ingenieurin werden kannst“, erklärt sie, „aber sie denken immer noch, dass Frauen keine guten Politiker sind – wir müssen diese Ansicht ändern.“ Damit spielt sie auf die Frauenquote im ägyptischen Parlament an – diese liegt lediglich bei einem Prozent.

Auch bei den Themen Familie und Scheidung schlägt Azza El Garf konservative Töne an. Sie bemängelt, dass man sich in Ägypten viel zu einfach und ohne Erlaubnis des Ehemannes scheiden lassen könne. Hoda Badran, Vorsitzende der Ägyptischen Feministischen Union, beklagt hierzu: „Kommentare wie diese bekräftigen die Erwartungen vieler, dass die Islamisten einen Rückschritt in den Rechten der Frauen bewirken könnten.“